Graue Haare durch Stress: Kann man es rückgängig machen?

Redaktion, 23. JUNI 2022

Graue Haare durch Stress
Dauerhafter Stress kann das Haar schneller grau werden lassen.

Stress ist für viele Menschen ein alltäglicher Begleiter, der mal sehr präsent und mal auch nur unterschwellig vorhanden ist. Es ist vor allem chronischer Stress, der vielen gesundheitlich - sowohl psychisch, als auch physisch - zu schaffen macht. Das macht sich auch äußerlich bemerkbar. Die Haut wird fahl, der Blick wird müde und das Haar wird grau. Aus den vereinzelten grauen Strähnen wird plötzlich ein grauer Haaransatz, der uns alt und ausgelaugt aussehen lässt. Warum das Haar unter Stress grau wird und ob das wieder rückgängig gemacht werden kann, erfahren Sie in diesem Artikel.
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FORSCHUNG

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Hausmittel sind für viele eine günstige und schonende Alternative zu künstlichen Produkten oder teuren Behandlungsmaßnahmen. Auch graues Haar kann sich mit einfachen Hausmitteln behandeln lassen und so seine Farbe zurückerhalten.

Was genau versteht man unter Stress?

Der Begriff Stress gehört bei den meisten Menschen zum täglichen Sprachrepertoire. Floskeln wie “Ich bin im Stress” oder “Was für ein stressiger Tag” werden regelmäßig genutzt. Doch was genau ist Stress eigentlich?


Für Stress gibt es verschiedene Definitionen, die im Grunde dasselbe aussagen. Unter Stress wird die körperliche Reaktion auf eine herausfordernde, bedrohliche oder vermeintlich nicht zu bewältigende Situation verstanden. Das Stressgefühl entsteht außerdem durch die subjektiv wahrgenommene Belastung durch verschiedene innere und äußere Reize. Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt und die Energiereserven des Körpers für eine Reaktion bereitgestellt.


Die Stressreaktion ist evolutionsbiologisch erklärbar. Während der Mensch heute in Sicherheit lebt und in den seltensten Fällen mit lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert wird, waren unsere urzeitlichen Vorfahren Tag für Tag unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt. Stress versetzt den Körper in einen Fight-or-Flight Modus. Das bedeutet, dass sämtliche Körperprozesse auf eine Flucht oder einen Kampf ausgerichtet werden. Was vor Jahrmillionen noch wichtig für das Überleben war, kann heute auf Dauer gesundheitlichen Schaden anrichten.

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Was passiert bei Stress im Körper?

Ist der Mensch einer Stresssituation ausgesetzt, werden die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol freigesetzt. Über die Blutbahn verteilen sich die Hormone rasend schnell und beeinflussen sämtliche Körperprozesse. Das, was man umgangssprachlich als Stress bezeichnet, ist die Wirkung der Stresshormone auf Nerven und Organe. Typischerweise äußert sich das wie folgt:


  • Anstieg von Blutdruck und Puls
  • Erhöhung des Blutzuckerspiegels
  • Schnellere Atmung
  • Aktivierung des Sympathikus
  • Anspannung der Muskulatur
  • Verlangsamung der Verdauung
  • Erweiterung von Blutgefäßen und Bronchien

Unter Stress werden die Energiereserven zur Verteidigung oder zur Flucht bereitgestellt. Das führt dazu, dass andere Stoffwechsel-, Wachstums- und Regenerationsprozesse vorübergehend eingeschränkt werden. Kurzfristig stellt das keine Gefahr für die Gesundheit dar, doch langfristig betrachtet kann chronischer Stress das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes und Schlaganfälle erhöhen. Außerdem sorgt Stress dafür, dass der Körper sowohl innerlich, als auch äußerlich deutlich schneller altert. Das spiegelt sich unter anderem in der Haarfarbe wieder - das Haar wird grau.

Wie verursacht Stress graue Haare?

Die Haarfarbe wird durch unterschiedliche Mischungsverhältnisse aus Eumelanin (dunkles Pigment) und Phäomelanin (helles/rötliches Pigment) bestimmt. Während der Wachstumsphase der Haare werden die Pigmente in den Melanozyten hergestellt, die sich in den Haarfollikeln befinden. Das Haar besteht aus mehreren Schichten und der Farbstoff, der die Haarfarbe bestimmt, lagert sich im Inneren. So bahnt sich das Haar bereits pigmentiert Millimeter für Millimeter seinen Weg nach draußen. Steht der Körper nun dauerhaft unter Stress, führt das zu Veränderungen.

Graue Haare durch zerstörte Stammzellen

Um den Zusammenhang zwischen anhaltender psychischer Belastung und dem Ergrauen der Haare festzustellen, führten Wissenschaftler der Harvard University ein Experiment mit Mäusen durch. In der Untersuchungsreihe wurde den Mäusen ein Schmerz erzeugendes Medikament verabreicht, dass bei den Tieren eine Stressreaktion hervorrufen sollte. Nach einiger Zeit verlor das Fell der Testmäuse seine Farbe und färbte sich grau.


Steht der Organismus unter Stress, wird der Sympathikus aktiviert. Als Teil des vegetativen Nervensystems durchziehen seine Nervenstränge den gesamten Körper und reichen sogar bis in die Haarfollikel. Studienleiterin Ya-Chieh Hsu erklärt, dass bei einer Stressreaktion an diesen Nervenenden im Follikel der Botenstoff Noradrenalin ausgeschüttet wird. Dieser aktiviert jene Stammzellen, die für die Melanozytenbildung verantwortlich sind. Werden nun all diese Stammzellen zeitgleich aktiviert, ist der Vorrat schon bald erschöpft. Die Folge: Es sind keine Stammzellen zur Pigmentbildung mehr vorhanden und es entstehen auch keine neuen. Das Haar wächst farblos und somit weiß bzw. grau nach.

Graue Haare durch gestresste Mitochondrien

Einen weiteren Erklärungsansatz für stressbedingt ergrautes Haar liefern Forscher der Columbia University in New York. Auch sie wollten herausfinden, in welchem Zusammenhang Stress mit dem Ergrauen der Haare steht und inwiefern dieser Prozess rückgängig gemacht werden kann.

Für die Studie wurden 14 Probanden angewiesen, ein Stresstagebuch zu führen. Mit Hilfe eines eigens entwickelten Verfahrens der Wissenschaftlerin Ayelet Rosenberg wurden anschließend die Haare jedes Probanden in hauchdünne Scheibchen geschnitten und genauestens auf Farbunterschiede untersucht. Die Forscher stellten fest, dass sich das Ergrauen der Haare mit den in den Tagebüchern festgehaltenen Stressgefühlen deckt.


Als Erklärung für dieses Phänomen liefert die Studiengruppe die Reaktion der Mitochondrien auf die Stress-Botenstoffe. Mitochondrien werden als Kraftwerk der Zelle bezeichnet, da sie die Energieversorgung sicherstellen. Gleichzeitig empfangen sie wie Antennen verschiedenste Signale außerhalb der Zelle und reagieren so auch auf Stresshormone. Das wirkt sich auf die Pigmentbildung in den Haarfollikeln aus und das Haar ergraut.

Grau werden über Nacht: Wahrheit oder Mythos?

Vielen ist die Geschichte bekannt: Marie Antoinette soll in der Nacht vor ihrer Hinrichtung plötzlich weiße Haare bekommen haben. Der Schock über ihr bevorstehendes Ableben saß ihr wohl tief in den Knochen und verursachte enormen Stress, der ihren Schopf ergrauen ließ. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter dieser Erzählung?


Die einfache Antwort auf diese Frage lautet: Keine. Rein physiologisch und biologisch betrachtet ist es unmöglich, dass das Kopfhaar in nur einer Nacht vollständig ergraut.

Jedes Haar durchläuft einen jahrelangen Wachstumsprozess und wächst pro Monat rund 1 cm. Haare, die sich bereits außerhalb der Kopfhaut befinden (und damit der Großteil des Haars), können nicht mehr Ergrauen. Lediglich das nachwachsende Haar kann grau sein. Da die Haare aber relativ langsam wachsen, ist das erst nach mehreren Wochen sichtbar.


Kein Mythos ist hingegen die Tatsache, dass das Haar in Folge eines extrem stressigen oder traumatischen Erlebnisses im Laufe der Zeit grau nachwachsen kann. Das muss nicht das gesamte Kopfhaar betreffen, sondern kann sich auch in vermehrt grauen Strähnen bemerkbar machen.

Graues Haar durch Stress: Lässt es sich wieder rückgängig machen?

Wenn das Haar frühzeitig ergraut, dann hat das meist unterschiedliche Ursachen. Oft spielt die genetische Veranlagung eine große Rolle, ebenso wie die Lebensweise und natürlich auch das Stresslevel. Graues Haar raubt vor allem in jungen Jahren vielen das Selbstbewusstsein und ständiges Färben wird zur Last.


Wer unter stressbedingt ergrauten Haaren leidet, der kann hoffen. Den Forschungsergebnissen der Columbia University zufolge ist eine Repigmentierung möglich. Dafür untersuchte das Forscherteam unzählige Proteine und wie sich ihre Werte im Haarverlauf und im Hinblick auf das Stresstagebuch der Testpersonen veränderten. Der Autor der Studie zog die Schlussfolgerung, dass mit sinkendem Stresslevel auch das Haar auf dem Kopf wieder an Farbe zurückgewann.

So beugen Sie grauem Haar durch Stress vor

Für die meisten Menschen ist Stress schon etwas Gewöhnliches und anstatt ihn zu reduzieren, steht man ihn einfach durch. Wenn man sich allerdings im Klaren über die möglichen Folgen ist - einschließlich dem Ergrauen der Haare - dann ergreifen viele ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden zuliebe doch Gegenmaßnahmen.

1. Kleinere Ziele setzen

Stress entsteht aus der Überforderung heraus. Oft setzt man sich zu große oder zum aktuellen Zeitpunkt unrealistische Ziele und erzeugt so einen unterbewussten Leistungsdruck. Das kann private Ziele, aber auch finanzielle oder berufliche Ziele betreffen. Sobald man dieses Gefühl verspürt, sollte man diese Ziele nochmal überdenken und sich kleinere Etappen vornehmen. Dadurch werden Erfolgserlebnisse wahrscheinlicher und der “selbstgemachte” Stress schwindet. So bleibt das Haar vor Stress verschont.

2. Neue Wege gehen

Einer der größten Stressfaktoren im Leben eines Menschen ist der Job. Viele sind unglücklich mit ihrer Berufswahl und jeder Tag auf Arbeit ist von Stressreaktionen geprägt. Ist das der Fall, sollte man darüber nachdenken, neue Wege zu gehen. Ein beruflicher Wechsel, vielleicht sogar eine neue Ausbildung- denn auf Dauer kann diese seelische Belastung die Psyche und auch den Körper angreifen.

Neue Wege können nicht nur im Berufsleben, sondern auch im Alltag gegangen werden. Es kann sich dabei auch um kleine Veränderungen in der täglichen Routine handeln, die die Lebensqualität verbessern und Stress vorbeugen.

3. Regelmäßig abschalten

Nicht immer lassen sich alle Stressfaktoren erfolgreich aus dem Leben verbannen. Darum ist es umso wichtiger, Coping-Strategien für sich selbst zu finden bzw. zu entwickeln. Abschalten kann man nicht nur im Urlaub - auch ein warmes Bad, eine entspannte Zeit mit einem guten Buch oder Meditationsübungen können dabei helfen, das Stresslevel zu reduzieren.

4. Gesund leben

In stressigen Lebensphasen ist ein gesunder Lebensstil besonders wichtig, um die Auswirkungen von Stress auf den Körper einzudämmen. Aber nicht nur in stressigen Situationen ist ein achtsame Lebensweise von Vorteil. Der Verzicht auf Genussgifte wie Alkohol und Zigarette, ausreichend Schlaf und eine vitaminreiche Ernährung wirken sich positiv auf das Haar aus und können es so vor einem vorzeitigen Ergrauen schützen.

5. Haare pflegen

Stressbedingtes graues Haar kann nicht nur von innen, sondern auch von außen vorgebeugt werden. Eine reichhaltige Haarpflege mit antioxidativen Wirkstoffen wie Citurin mit Mandarinen-Extrakt kann dabei helfen, freie Radikale zu neutralisieren und so oxidativen Stress zu minimieren. Die Versorgung mit Ölen und Vitaminen nährt die Kopfhaut und das Haar und unterstützt so sowohl ein gesundes Haarwachstum, als auch die Repigmentierung.

Fazit

In besonders stressigen Lebensabschnitten bemerken viele Menschen, wie nach einigen Wochen und Monaten immer mehr graue Haarsträhnen nachwachsen. Stress kann den Alterungsprozess der Haare beschleunigen und so das Ergrauen begünstigen - auch in jungen Jahren. Doch kein Grund zur Panik: Neues Studienerkenntnissen zufolge kann durch Stress ergrautes Haar seine Farbe zurückerlangen. Dafür muss allerdings das Stresslevel dauerhaft gesenkt werden. Auch eine gesunde Lebensweise und Haarpflegeprodukte mit effektiven Inhaltsstoffen helfen dabei, stressbedingtes Haar vorzubeugen bzw. rückgängig zu machen.


QUELLEN

  • Ralph M Trüeb: Oxidative Stress in Ageing of Hair. 2009.
  • Bing Zhang, Sai Ma, Inbal Rachmin, Megan He et al.: Hyperactivation of sympathetic nerves drives depletion of melanocyte stem cells. 2020.
  • Ayelet Rosenberg, Shannon Rausser: Human Hair Graying is Naturally Reversible and Linked to Stress. 2020.