Haarfarbe hält nicht auf grauem Haar: Was mache ich falsch?

Redaktion, 13. September 2022

Haarfarbe hält nicht
Das Überfärben von grauem Haar ist oft mit Hürden verbunden.

Nicht jeder steht zu seinen grauen Haaren und fühlt sich wohl damit. Ein Großteil der Frauen färbt sich weiterhin die Haare, um das sichtbare Zeichen des Älterwerdens verschwinden zu lassen. Tatsächlich ist die Grauabdeckung mit Haarfarben nach wie vor die effektivste Möglichkeit, auch wenn sie zeit- und kostenintensiv ist. Doch was mache ich, wenn die grauen Haare die Haarfarbe nicht annehmen? Erfahren Sie in diesem Artikel, warum die Grauabdeckung manchmal nicht klappt und was man machen kann, damit die Farbe in den Haaren bleibt.
Graue Haare Hausmittel

FORSCHUNG

Graue Haare färben mit diesem Hausmittel

Hausmittel sind für viele eine günstige und schonende Alternative zu künstlichen Produkten oder teuren Behandlungsmaßnahmen. Auch graues Haar kann sich mit einfachen Hausmitteln behandeln lassen und so seine Farbe zurückerhalten.

Was passiert mit den Haaren, wenn sie grau werden?

Wann erste graue Haare sichtbar werden, ist von Person zu Person unterschiedlich. Für gewöhnlich werden Männer etwas früher grau als Frauen - ab dem 40. Lebensjahr zeigen sich aber bei den meisten die ersten ergrauten Haare auf dem Kopf.


So wie die Hautfarbe und die Augenfarbe wird auch die Haarfarbe von den Melaninen bestimmt. Die Farbpigmente werden aus der Aminosäure Tyrosin gebildet. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Eumelanin und Phäomelanin. Je nach Anteil in der Faserschicht entsteht die individuelle Haarfarbe. Während Eumelanin braun-schwarz ist, ist Phäomelanin für die gelb-rote Farbe verantwortlich. Aus der Kombination entsteht ein einzigartiger Farbton. Im Alter verlieren die Haare jedoch nach und nach ihre Farbe, da die Melanozyten weniger Melanin bilden. Es entstehen Hohlräume, die mit farblosen Luftbläschen gefüllt werden. Das Haar ist an diesen Stellen weiß. Durch die noch übrigen farbigen Haare entsteht der Eindruck von grauem Haar.


Graues Haar bedeutet aber nicht nur, dass die natürliche Haarfarbe immer mehr verloren geht und die Haare ihren optischen Farbton verändern. Hinzu kommt das Problem, dass die Haare sich auch anders anfühlen und sich in ihrer Struktur verändern. Graue Haare sind oft eher drahtig, strohig und stumpf. Sie verlieren ihren Glanz und ihre Geschmeidigkeit. Wie die Haut verlieren auch die Haare im Alter zunehmend an Feuchtigkeit und es wird weniger Talg produziert, der für die Geschmeidigkeit verantwortlich ist. Die Haare trocknen aus und wirken drahtig. Außerdem lässt der Anteil an Keratin nach - das Protein ist Hauptbestandteil der Haare. Fehlt es, verändert sich die Beschaffenheit der Haare, sie werden stumpfer und in der Struktur gröber.

Unser Tipp bei grauem Haar

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Woran liegt es, dass die grauen Haare die Haarfarbe nicht annehmen und was kann man tun?

Bei der ein oder anderen Frau dürfte es schon vorgekommen sein, dass die Haarfarbe auf grauem Haar einfach nicht halten wollte. Manchmal gelingt die Grauabdeckung gar nicht erst, in anderen Fällen fällt die Haarfarbe förmlich aus dem Haar und der Ansatz ist innerhalb kürzester Zeit wieder so grau wie vorher. Doch woran kann es liegen, wenn die Haarfarbe nicht auf grauem Haar hält? Mehrere Ursachen können dahinter stecken, wenn das Haare färben nicht klappt.

Haarfarbe hält nicht auf grauem Haar - Grund #1: Die Haare sind zu kaputt

Wie eingangs bereits erwähnt, sind graue Haare oft trockener und weniger elastisch. Dadurch sind sie anfälliger für Haarbruch und Spliss. Insbesondere häufiges Färben (v.a. Blondierungen), Hitzestyling mit dem Föhn, Glätteisen oder Lockenstab oder auch häufiges Haarewaschen schadet der Struktur der Haare. Auch äußere Einflüsse wie die UV-Strahlung und das Klima können die Haare stark strapazieren.

Es kann sein, dass die Haarstruktur so stark geschädigt ist, dass die Farbe nicht im Haar bleibt. Erkennbar ist das zum Beispiel auch daran, dass der Ansatz die Farbe relativ gut annimmt, während die stark strapazierten Längen und Spitzen die Haarfarben förmlich abstoßen.


Was tun? 


Die richtige Pflege leistet große Beiträge zur Haargesundheit. Nehmen die Haare die Farbe nicht an, weil sie zu kaputt sind, sollte man alles dafür tun, um die Haare wieder gesund zu bekommen. Auf der einen Seite braucht man dafür vor allem Geduld. Die Haare sollten geschont und nicht gefärbt werden, damit sie gesund rauswachsen können. Sind die Haare stark beschädigt, kann das Färben im schlimmsten Fall erst dann wieder Erfolg zeigen, wenn die Haarpartien herausgewachsen sind und abgeschnitten werden.


Grundsätzlich sollte man nach der Haarwäsche mit einem milden Shampoo immer einen Conditioner verwenden. Er versiegelt die Schuppenschicht, wodurch die Haare einen schönen Glanz bekommen und leichter kämmbar sind. Außerdem verbessert die Spülung den Schutz vor schädigenden Einflüssen. Wöchentlich kann eine Haarmaske in den Längen und Spitzen für gepflegtes Haar sorgen. Weitere nützliche Informationen und Pflege-Tipps für graues Haar bekommen Sie hier. 

Haarfarbe hält nicht auf grauem Haar - Grund #2: Produkte zur Haarpflege enthalten Silikone

Silikone umhüllen die Haare mit einem Schutzfilm, wodurch sie weicher, glatter und feiner sind, ohne sich fettig anfühlen. Problematisch sind vor allem Produkte mit Silikonen, die sich nicht auswaschen. Die Schutzschicht bleibt permanent auf dem Haar und verhindert dadurch nicht nur, dass pflegende Inhaltsstoffe aufgenommen werden können, sondern auch, dass die Farbe in die Haare eindringen kann. Je länger diese Produkte verwendet werden, desto eher entsteht ein sogenannter Silikon-Build-Up rund um das Haar.

Die kritischen Silikone befinden sich in Shampoos, Conditioner und auch Leave-in-Pflegen oder Hitzeschutzspray.



Was tun? 


Bevor man sich erneut an die Abdeckung der grauen Haare wagt, sollte man den Silikon-Build-Up loswerden. Um den Film von den Haaren zu bekommen, sollte man das Haar bei den nächsten beiden Haawäschen zunächst gründlich mit einem tiefenreinigenden Shampoo waschen. Danach hilft es nur, auf Produkte ohne Silikone umzusteigen.

Haarfarbe hält nicht auf grauem Haar - Grund #3: Hormone

Der Mythos, dass es nicht gut ist, sich während der Periode die Haare zu färben, hält sich hartnäckig. Studien haben nachgewiesen, dass die Schwankungen im Östrogenspiegel z.B. während der Periode bei Frauen für ein höheres Schmerzempfinden sorgen, besonders hinsichtlich der Sensitivität der Haut. Das Haare färben während der Periode stellt eine größere Belastung für die Kopfhaut dar und Frauen können mit einem höheren Schmerzempfinden auf Irritationen und Reizungen durch die Farbe reagieren.


Vor allem für Frauen, die früh grau werden und noch regelmäßig ihre Periode bekommen, haben die Schwankungen der Hormone aber auch noch eine andere Auswirkung: Sie können verhindern, dass die Haare die Farbe annehmen. Durch die hormonellen Veränderungen nehmen die Haare den Farbton nicht so gut an und das Farbergebnis wird weniger intensiv. Besonders bei der Grauabdeckung ist das ungünstig.



Was tun? 


Sind die Hormone am enttäuschenden Farbergebnis schuld, sollte man den nächsten Termin beim Friseur bestenfalls nicht während der Periode ansetzen. Auch für das Färben zu Hause gilt: Lieber vor oder nach der Periode färben.

Haarfarbe hält nicht auf grauem Haar - Grund #4: Haarstruktur hat sich verändert

Es ist normal, dass die Haare mit dem Älterwerden ihre Struktur verändern. Die Haare verlieren an Feuchtigkeit und auch der Anteil an Kreatin nimmt ab. Dadurch werden graue Haare meist strohiger und grober. Manche haben sogar ihr Leben lang glatte Haare und entwickeln dann leichte Locken. Die veränderte Haarstruktur macht es schwieriger, graue Haare zu färben. Da kann es einfach vorkommen, dass manche Strähnen resistent gegen Haarfarben sind.



Was tun? 


Sind die Haare so widerspenstig, dass sie sich nicht färben lassen, kann bestenfalls ein Besuch beim Friseur helfen. Die Inhalte der Haarfarbe lassen sich so besser auf die Bedürfnisse und die veränderte Struktur anpassen. Beispielsweise kann man das Mischungsverhältnis zwischen der Farbe und dem Wasserstoffperoxid entsprechend anpassen. Auch können Farben mit einem höheren Pigmentanteil verwendet werden, die einfach besser abdecken. Mit Farbe aus dem Drogeriemarkt wird man hier keinen Erfolg erzielen, also sollte man besser zu einem Friseur gehen und auf dessen Expertise setzen. Ohnehin hält die Farbe in den Längen besser, da sich hier schon mehrmals Farbpigmente durch das Colorieren eingelagert haben. Der Ansatz hingegen ist frisch und wächst schnell nach.

Haarfarbe hält nicht auf grauem Haar - Grund #5: Das falsche Produkt zum Färben

Wer zur Grauabdeckung zu einer Tönung greift, wird auf jeden Fall enttäuscht. Die Farbpigmente legen sich hier nur oberflächlich auf das Haar. Es ist möglich, die Haare etwas dunkler zu färben oder den Farbton zu intensivieren. Innerhalb von wenigen Haarwäschen wäscht sich die Tönung von allein aus.


Eine Abdeckung der grauen Haare wird mit diesem Verfahren nicht funktionieren, auch mit einer Intensiv-Tönung klappt die Grauabdeckung oft nur bedingt.



Was tun? 


Zur Grauabdeckung eignet sich eine Intensiv-Tönung nur bedingt. Auch sie waschen sich mit der Zeit raus und bieten nicht die beste Grauabdeckung. Für die beste Abdeckung von grauen Haaren eignen sich nur klassische Colorationen. Erfahren Sie hier, was Sie beachten sollten, wenn Sie die Haare selbst färben möchten.

Graue Haare vorpigmentieren: Hilft das wirklich?

Damit die Grauabdeckung auch wirklich erfolgreich ist, benötigt die Farbe einen größeren Anteil an Naturton. Besonders bei hartnäckigen grauen Strähnen kann das die einzige Methode sein, für ein zufriedenstellendes Farbergebnis zu sorgen. Besonders beim Friseur ist die Vorpigmentierung recht verbreitet, doch auch zu Hause lässt sich die Technik anwenden. Die Methode eignet sich vor allem bei kleineren Bereichen wie z.B. den Schläfen oder auch für den Haaransatz.


Bei der Vorpigmentierung wird die reine Farbe ohne Aktivator (Wasserstoffperoxid) auf die betroffenen Strähnen aufgetragen. Statt des Aktivators vermischt man die Farbcreme mit etwas Wasser, damit sie sich gut verteilen lässt. Die Mischung verteilt man mit dem Pinsel auf den Haaren und lässt sie für etwa 10 bis 20 Minuten einwirken. Das Haar wird danach nicht ausgespült. Stattdessen fährt man dann mit dem normalen Färbeprozess fort. Dadurch, dass die grauen Haare im Vorfeld schon Farbpigmente aufnehmen konnten, deckt die Farbe besser ab und hält auch länger.


Grundsätzlich sollte man beim Färben ohnehin mit der Stelle beginnen, an der die grauen Haare am hartnäckigsten sind. Die leicht verlängerte Einwirkzeit kann dazu beitragen, eine gute Abdeckung in diesem Bereich zu erreichen.


Graue Haare beizen: Wie funktioniert das?

Zu den Methoden, die man auch ausprobieren kann, wenn die grauen Haare die Haarfarbe nicht annehmen, ist das Beizen. Im Grunde funktioniert diese Methode gegenteilig zum Vorpigmentieren. Die Farbpigmente können vor allem in dickes, graues Haar nur schwer eindringen. Das Beizen öffnet die Haarkutikula und sorgt so dafür, dass die Farbe tief in das Haar gelangen kann.


Klassische Beizmittel bzw. Aktivatoren sind Ammoniak und Wasserstoffperoxid. In diesem Fall trägt man den reinen Aktivator auf das graue Haar auf und kämmt ihn mit einem Kamm ein. Nach einer Einwirkzeit von 20 Minuten trägt man die Farbe auf die übliche Weise auf (Farbcreme gemischt mit Aktivator). Dann lässt man die Farbmischung wie gewohnt einwirken oder auch 10 Minuten länger.

Das Beizen ist zwar eine effektive Möglichkeit, um die Haltbarkeit der Farbe bei grauem Haar zu verbessern - es kann die Haare und die Kopfhaut bei regelmäßiger Anwendung aber stark beanspruchen. Das reine Wasserstoffperoxid öffnet die Schuppenschicht und lässt die Haare porös werden und an Feuchtigkeit verlieren. Daher sollte man diese Methode nur bei sehr gesundem Haar anwenden, um die Aufnahme der Pigmente zu verbessern.

Welche Haarfarbe deckt graues Haar am besten ab?

Grundsätzlich haben alle Colorationen, besonders die professionellen Haarfarben beim Friseur, eine gute bis sehr gute Grauabdeckung. Wichtig ist, dass es sich um permanente Farben handelt.

Für graues Haar sind Naturtöne am besten. Natur bzw. natürlich bedeutet in dem Fall, dass die Farbe neutral ist und keine kalten oder warmen Pigmente zugeführt wurden. Auch Goldtöne können gut geeignet sein.


Bei der Farbe selbst sollte man sich am besten an der Haarfarbe orientieren, die man vor dem Ergrauen hatte. Wenn der Farbton nicht so stark von der natürlichen Haarfarbe abweicht, fällt es einerseits nicht so sehr auf, wenn die Intensität nachlässt. Andererseits ist auch der Ansatz beim Rauswachsen weniger stark sichtbar.

Fazit

Viele Frauen treffen nach wie vor die Entscheidung, ihre grauen Haare zu färben und so zu kaschieren. Egal, ob mit Produkten für den Eigengebrauch zu Hause oder durch eine professionelle Coloration beim Friseur. Ärgerlich ist es aber, wenn die Haarfarbe auf dem grauen Haar einfach nicht halten will. Nicht nur die veränderte Haarstruktur, sondern vor allem auch vermeidbare Einflüsse können hier schuld sein. Stark strapaziertes Haar lässt sich ebenso schlecht färben wie Haare, die über Jahre hinweg mit silikonhaltigen Produkten gewaschen und gepflegt wurden. Bringt es auch hier nichts, sein Verhalten zu ändern, kann das Vorpigmentieren oder das Beizen helfen. Farblich gesehen trifft man mit Naturtönen die beste Wahl - im Zweifel kann der Friseur aber bezüglich der richtigen Farbe für die beste Abdeckung behilflich sein.


QUELLEN

  • Garcia Bartels, N., Blume-Petyavi, U. (2008). Haaralterung: Klinik, Ursachen und Prävention. In J. Krutmann, T. Diepgen, C. Billmann-Krutmann (Hrsg.), Hautalterung. Springer, Berlin, Heidelberg.
  • Jany, P., Diekmann, K., Lipp-Thoben, H. & Lück, D. (2009). Friseurfachkunde (6.Auflage, S. 201-238). Vieweg+Teubner.