Graue Haare mit 20: Sinkt die Lebenserwartung?

Redaktion, 29. JUNI 2022

Graue Haare mit 20
Sinkt die Lebenserwartung, wenn man mit 20 schon graue Haare hat?

Graue Haare - die einen finden sie schön und stehen dazu, während die anderen sie möglichst lang hinauszögern möchten und mit Haarfarbe dagegen angehen. Das Ergrauen gehört zum Älterwerden dazu, so oder so. Doch ein großer Schock ist es für die Betroffenen, wenn sich graue Haare mit 20 zeigen. Schließlich ist man noch jung und die grauen Strähnen sollten doch noch gar kein Thema sein. Wir klären in diesem Artikel über mögliche Ursachen für graue Haare mit 20 auf, verraten was man dagegen tun kann und wann man lieber einen Arzt aufsuchen sollte!
Graue Haare Hausmittel

FORSCHUNG

Graue Haare färben mit diesem Hausmittel

Hausmittel sind für viele eine günstige und schonende Alternative zu künstlichen Produkten oder teuren Behandlungsmaßnahmen. Auch graues Haar kann sich mit einfachen Hausmitteln behandeln lassen und so seine Farbe zurückerhalten.

Warum werden Haare grau?

Die natürliche Haarfarbe wird durch die sogenannten Melanine bestimmt, die von den Melanozyten in den Haarwurzeln gebildet werden. Sie sind in die Faserschicht des Haarschaftes eingelagert und lassen das Haar blond, rot, braun oder schwarz aussehen. Dabei setzt sich die individuelle Haarfarbe aus der Kombination von zwei verschiedenen Arten von Melaninpigmenten zusammen: Eumelanin und Phäomelanin. Während das Eumelanin bei Dunkelhaarigen überwiegt, enthalten die Haare bei hellblondem und rotem Haar deutlich mehr Phäomelanin. Abhängig von der Menge des jeweiligen Melanins entstehen unterschiedlichste Abstufungen der Haarfarben.


Graue Haare - die eigentlich gar nicht grau, sondern weiß sind - sind das natürliche Ergebnis des Alterungsprozesses. An der Haut zeigt sich das unter anderem durch Falten, während die Haare ihre Farbe verlieren.

Grund dafür ist unter anderem Wasserstoffperoxid. Der Stoff wird nicht nur zum Färben bzw. Bleichen von Haaren eingesetzt, sondern wird in geringen Mengen auch im Körper gebildet. In jungen Jahren sind die Zellen sehr aktiv und können das anfallende Wasserstoffperoxid neutralisieren. Mit zunehmendem Alter lassen die Stoffwechselaktivität und Widerstandsfähigkeit der Zellen aber nach, und die Menge an Wasserstoffperoxid nimmt zu. In Folge wird die Bildung der Aminosäure Tyrosin gehemmt, die wiederum maßgebend an der Melaninproduktion beteiligt ist. Es wird weniger farbgebendes Melanin gebildet, die leeren Stellen im Haarschaft werden durch farblose Luftbläschen gefüllt. Die betroffenen Strähnen wirken dann grau. Wenn der ganze Schopf ergraut ist und keine Farbe mehr in den Haaren eingelagert ist, sind die Haare auch optisch komplett weiß.

Unser Tipp bei grauem Haar

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Ab wann graue Haare: Unterschiede bei Mann und Frau

Wann der Alterungsprozess einsetzt und die Haare grau werden, wird von der Genetik festgelegt. Statistisch gesehen sind erste graue Haare mit 30 normal - bis zum 50. Lebensjahr haben die meisten graue Haare. Neben der genetischen Veranlagung wirken sich auch äußere Einflüsse auf das Ergrauen aus. Ebenso ist es individuell verschieden, wie schnell das Grauwerden voranschreitet. Zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr entdecken die meisten erste graue Haare, mit etwa 50 sind etwa die Hälfte aller Menschen bereits zu 50% ergraut - man spricht von der sogenannten 50-50-50-Regel.


Tatsächlich gibt es auch einen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Untersuchungen zufolge werden Männer im Durchschnitt etwa 5 Jahre früher grau. Eine feste Regel gibt es hier aber auch nicht, manche Männer ergrauen auch später als Frauen.

Für gewöhnlich fällt das Ergrauen bei Männern früher auf. Die grauen Haare wachsen bei Männern zu Beginn oft an den Schläfen oder im Bart. Dort ist der Lebenszyklus der einzelnen Haare deutlich kürzer und sie werden öfter neu gebildet. Farblose Haare machen sich hier schnell bemerkbar, während das noch pigmentierte Haar auf dem Kopf länger in der Haarwurzel bleibt.

Graue Haare mit 20: Was sind die Ursachen?

Es kann sein, dass sich die ersten grauen Haare aufgrund der Zellalterung schon mit 20 zeigen - auch wenn das eher selten ist. Die Genetik entscheidet darüber, ob der Alterungsprozess früher oder später einsetzt. Das lässt sich weder verhindern, noch beeinflussen. Treten graue Haare schon mit 20 auf, spricht man medizinisch von vorzeitigem Ergrauen (Canities praecox). Neben der Genetik können auch andere Ursachen verantwortlich sein, wenn die Produktion von Melanin schon früher aussetzt.

Graue Haare mit 20 durch Stress

Anhaltender Stress ist für den gesamten Organismus eine große Belastung. Auch die Haare werden schneller grau, wenn man ständig unter Anspannung steht.

Der Körper schüttet bei Stress verstärkt das Stresshormon Noradrenalin aus. Forscher der Harvard-Universität konnten in einer Studie nachweisen, dass die extreme Noradrenalin-Ausschüttung das Reservoir an Melanozyten vorzeitig erschöpft. Dadurch wird die Melaninproduktion stark eingeschränkt und die Haare verlieren zunehmend ihre Farbe.

Graue Haare mit 20 durch Hormonstörungen

Hormone sind im Körper für zahlreiche Prozesse und Funktionen verantwortlich. Auch auf die Haut und die Haare haben sie Auswirkungen. Kommt es frühzeitig zu grauen Haaren, kann das ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt sein. Beispielsweise kommt es im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion oft zu Folgen wie Haarausfall oder auch frühzeitigem Ergrauen. Erkrankungen der Schilddrüse sind bei jungen Frauen besonders häufig, bleiben aber oft aufgrund ihrer uneindeutigen und vielschichtigen Symptome oft lange Zeit unerkannt.

Auch eine Nebennierenunterfunktion (Morbus Addison) sorgt für ein Mangel an wichtigen Hormonen. Neben Erschöpfung und einer Braunfärbung der Haut kann es auch zu Haarausfall und grauen Haaren kommen.


In seltenen Fällen können auch hormonelle Veränderungen, beispielsweise während einer Schwangerschaft, zum Grauwerden der Haare führen.

Graue Haare mit 20 durch Vitaminmangel

Häufig ist eine Mangelversorgung von Vitaminen und Nährstoffen für ein frühzeitiges Ergrauen verantwortlich. Besonders ein Vitamin-A- oder Eisenmangel steht oft in Zusammenhang mit Symptomen wie Haarausfall oder grauen Haaren. Auch ein Mangel an B-Vitaminen, Zink und Kupfer können die Entstehung von grauen Haaren beschleunigen. Neben einer unausgewogenen Ernährung sind hier oft extreme Diäten ein Auslöser.

Graue Haare mit 20 durch Medikamente

Medikamente sind für gewöhnlich mit Nebenwirkungen verbunden. Zeigen sich schon mit 20 graue Haare, kann das auch an der Einnahme von bestimmten Medikamenten liegen. Oft ist das im Rahmen einer Chemotherapie bei Krebserkrankungen der Fall. Die starken Medikamente greifen die gesunden Zellen des Körpers an und es kommt zum Tyrosinmangel, wodurch die Melaninbildung gehemmt werden kann.

Werden die Medikamente abgesetzt, sollte die Haarfarbe wieder zurückkehren. Falls das nicht der Fall ist, sollte man sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen.

Graue Haare mit 20 durch Übergewicht

Zu den Themen, die man nicht unbedingt mit grauen Haaren in Verbindung bringt, zählt das Übergewicht. Doch immer wieder zeigen Studien, dass nach der Veranlagung starkes Übergewicht der größte Risikofaktor für vorzeitig graue Haare ist. Außerdem wurde festgestellt, dass mehr graue Haare wachsen, je dicker man ist. Wie genau der Zusammenhang zwischen grauen Haaren und Adipositas ist, ist unklar. Vermutet wird, dass Übergewicht, ähnlich wie auch der Zigarettenkonsum oder psychische Belastung, für oxidativen Stress in den Zellen sorgt und die melaninbildenden Melanozyten dadurch angegriffen werden.

Früh graue Haare = geringere Lebenserwartung?

Sind früh graue Haare ein Anzeichen für eine geringere Lebenserwartung? Tatsächlich deuten neue Erkenntnisse darauf hin, dass vorzeitige graue Haare einen Hinweis auf die Gesundheit und das Risiko bestimmter Erkrankungen liefern können.


Einer Studie zufolge, in der 545 Männer untersucht wurden, existiert ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn mindestens die Hälfte der Haare aus weißen Haaren besteht. Der Zusammenhang ist dabei einfach erklärt: Ergrauen ist ein Zeichen für Zellalterung. Und die Alterung ist entsprechend auch ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z.B. Arteriosklerose. Graue Haare können auf eine fehlerhafte Reparatur der DNA hinweisen, die wiederum durch Faktoren wie Stress und Hormonveränderungen verursacht werden können. Schaut man sich die Ursachen für frühzeitig graue Haare und Arterienverkalkungen an, gibt es eindeutige Überschneidungen.


Da früh graue Haare tatsächlich ein Risikofaktor für Arterienverkalkungen darstellen, die bekanntermaßen mit einer geringeren Lebenserwartung einhergehen, kann man durchaus annehmen, dass das Grauwerden ein Anzeichen für ein Gesundheitsrisiko sein kann.

Können Haare über Nacht grau werden?

Die Annahme, dass graue Haare über Nacht grau werden können, hält sich hartnäckig. Beliebte Geschichten berichten von berühmten Persönlichkeiten, die nach einem traumatischen Ereignis quasi über Nacht ergraut sind. Graue Haare mit 30 oder sogar mit 20 würde das sehr gut erklären. Doch ist es möglich?


Die Antwort lautet: Nein. Haare können nicht über Nacht grau werden. Die Farbpigmente verschwinden nicht plötzlich aus den Haaren. Stattdessen ist es ein schleichender Prozess, bei dem die Melanine beim Nachwachsen nicht mehr in den Haarschaft integriert werden. Da Haare monatlich nur etwa einen Zentimeter wachsen, geschieht das nicht von jetzt auf gleich. Trotzdem sorgt starker psychischer oder körperlicher Stress wie bereits erwähnt dafür, dass die Haare auch mit 20 schon ausfallen oder auch schneller grau werden.

Wann sollte man mit grauen Haaren zum Arzt?

Entdeckt man schon früh graue Haare, ist das für die Betroffenen oft ein großer Schock. Und auch wenn graue Haare ein Anzeichen für Krankheiten sein können, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. In den meisten Fällen ist die Genetik verantwortlich, unterstützt von Einflussfaktoren wie Stress oder einer ungesunden Ernährung. Es lohnt sich also, die Verwandten nach ihrem Zeitpunkt der ersten grauen Haare zu fragen.


Hegt man jedoch den Verdacht, dass eine andere Ursache für die grauen Haare verantwortlich sind, sollte man das Gespräch mit dem Arzt suchen. Ein Nährstoffmangel im Rahmen einer Diät oder kurzfristiger, starker Stress können ebenso verantwortlich sein wie hormonelle Veränderungen. Besonders bei jungen Frauen bleiben Schilddrüsenerkrankungen oft unentdeckt. Symptome wie Schlaflosigkeit, Zittern oder Stimmungsschwankungen sind hier typisch. Wer sich also unsicher ist, sollte einen Arzt aufsuchen. Untersuchungen können Auskunft darüber geben, ob ein gesundheitliches Problem vorliegt.


QUELLEN

  • Robert, C. et al. (2003). Tyrosine kinase inhibition and grey hair. Lancet, 361(9362), 1056. DOI: 10.1016/S0140-6736(03)12805-X
  • Shin, H. et al. (2015). Association of premature hair graying with family history, smoking, and obesity: A cross-sectional study. Journal of the American Academy of Dermatology, 72(2), 321-327. DOI: 10.1016/j.jaad.2014.11.008
  • Zhang, B. et al. (2020). Hyperactivation of sympathetic nerves drives depletion of melanocyte stem cells. Nature, 577, 676-681. DOI: 10.1038/s41586-020-1935-3